Unter dem Slogan “taz ist nicht für jeden. Das ist OK so” hat die taz einen Kinospot produziert, den man sich im Netz runterladen kann. Ein Bildzeitungsleser im Feinripp-Unterhemd und Trainingsanzug versucht am Kiosk seine Zeitung zu bekommen, kriegt aber nur die taz angeboten. “Wat is dat denn? Mach mich nicht fertig, du!”. Zu seiner Erleichterung hat der Kioskbesitzer dann doch noch eine Bild-Zeitung. Alle grölen.
Ein sehr provokanter Werbespot der taz-Redaktion gegen ihren erklärten Lieblingsfeind, der mit vielen Klischees über Bildzeitungsleser, dem typischen Deutschen (der seinen Dackel zum Kiosk Gassi führt) und sozialen Gefällen spielt. Die taz, die aus ihrer Auflagennot eine Tugend gemacht hat, und wie ein kleines gallisches Dorf mit besonderer Stärke und viel Tam Tam gegen die bösen Römer kämpft, könnte an dieser Stelle allerdings einen Schritt zu weit gegangen sein. Ist der Werbespot nicht auch schon wieder auf Bild-Zeitungsniveau? Aber was noch viel interessanter ist: ist die taz bewusst einen Schritt zu weit gegangen?
Wie Fairpress meldet, hat der Springer Verlag eine einstweilige Verfügung gegen den Werbspot erwirkt, auf den die taz bislang nicht reagiert hat. Der Werbespot ist zur Zeit (01.11.2005; 17:55 Uhr) noch immer downloadbar. Mich würde es nicht überraschen, wenn die taz in den nächsten Tagen ganz bewusst auf Konfrontationskurs mit der Bild-Zeitung geht, um mehr Öffentlichkeit für den Werbespot zu schaffen und stärker zu polarisieren. Schlechte PR ist eben gute PR. Ich bin gespannt, was in den nächsten Tagen diesbezüglich so passieren wird.
