Talking Heads ist eine Agentensimulation, die in Ansätzen demonstriert, dass Sprache bzw. Spracherwerb ein dynamischer Prozess ist, der durch die Kommunikation innerhalb einer Gruppe entsteht. Die Agentensimulation sieht folgendermassen aus: Zwei Agenten, die jeweils mit einer Kamera ausgestattet sind, betrachten ein Whiteboard, auf dem verschiedene geometrische Objekte in unterschiedlichen Farben und Grössen kleben.
Ein Agent ist der Speaker, der andere der Hearer. Beide Agenten sind mittels eines neuronalen Netzes fähig, das betrachtete Bild zu segmentieren und nach Kategorien aufzugliedern. Der Speaker benennt nun eines der Objekte aufgrund seiner von ihm erstellten Kategorien, in dem er Fantasieworte bildet oder bereits bestehende Worte verwendet. Der Hearer versucht aufgrund des gehörten Wortes nun zu erraten, welches Objekt der Speaker gemeint haben könnte. Errät er das richtige Objekt, fühlen sich beide Agenten in der Benutzung des Wortes für das gewählte Objekt bestätigt. Wählt der Hearer das falsche Objekt, zeigt der Speaker, welches er meinte.
Lässt man dieses Naming-Game mit hunderten von Agenten laufen, die abwechselnd die Rolle des Hearers und Speakers einnehmen, kann man feststellen, dass sich viele natürlichsprachliche Phenomene herausbilden, wie zum Beispiel Synonymie (mehrere Worte haben die gleiche Bedeutung) und Polysemie (ein Wort hat mehrere Bedeutungen). Die Wortbedeutungen verändern sich bei fortschreitendem Spiel. Was zuerst synonym zu anderen Worten ist, wird irgendwann polysem. Durch eine (simulierte) schlechte Aussprache der Worte bzw. ein schlechtes Verstehen des Gehörten kommt es zu Übertragungsfehlern, die zu einer Evolution der Worte führen.
Die Talking Heads sind eine recht einfache Agentensimulation. Das Experiment deutet aber darauf hin, dass Agentensimulationen ein recht nützliches Mittel sind, um den natürlichen Spracherwerb besser verstehen zu können.
Weiterführende Informationen zu den Talking Heads finden sich auf der Projekthomepage.
Ein Interview mit Luc Steel, dem Erfinder der Talking Heads, kann man bei Telepolis.de nachlesen.
