Netzkultur
19.01.2006

Aktuell flammt die Diskussion um die Du bist Deutschland-Kampagne wieder auf, nachdem Jenz Scholz in seinem Blog eine halbinterne Email von Jean-Remy von Matt, Mitbegründer der Werbeagentur Jung von Matt, veröffentlichte, in der er sich über die Miesepetrigkeit als Reaktion auf die Kampagne aufregt.

Insbesondere lässt er sich zu dieser Äusserung über Weblogs hinreissen:

Von den Weblogs, den Klowänden des Internets. (Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern? Und die meisten Blogger sondern einfach nur ab. Dieser neue Tiefststand der Meinungsbildung wird deutlich, wenn man unter www.technorati.com eingibt: Du bist Deutschland.)

Und? Geschockt? Die Wellen schlagen natürlich mal wieder hoch in der Blogosphäre, schliesslich wurde ja jeder einzelne persönlich beleidigt. Und die Kampagne ist ja sowieso Mist! Was ich mich in diesem Zusammenhang immer Frage, ist: wieso kann man bei einer Motivationskampagne, bei der ja die Inhalte per se nichts schlechtes vermitteln, eigentlich immer so pauschal DAGEGEN sein. Hätten wir nicht alle etwas gewonnen, wenn diejenigen, die sich nicht für die “Du bist Deutschland”-Kampagne begeistern können, einfach nicht darauf reagieren und durch dieses passive Verhalten die Kampagne in angemessener Weise abwärten!? Hätte nämlich den Vorteil, dass die andere Gruppierung sich zumindest ungestört motivieren lassen kann von diesen Werbespot und das ganze Budget zumindest nicht komplett unnütz gewesen wäre.

Insofern verstehe ich die ganze Aufregung in der Blogosphäre überhaupt nicht, ausser in der Hinsicht, dass es für viele Menschen einfach eine gewisse Art der Unterhaltung und Befriedigung ist, sich über Dinge aufzuregen, die sie zur Kenntnis nehmen, um sich grade darüber aufregen zu können.


Kommentare

die_lou - 19.01.2006 at 17:25:20

ja, vollste zustimmung. das ist enlich mal ein lichtblick. danke für den beitrag.
es winkt die_lou

Jack Fuller - 19.01.2006 at 17:49:09

hmm, hast eigentlich recht,
vielleicht ist ja das genau das, was Jung von Matt erreichen will.
so blöd sind die ja auch ned…

Jack

Maik - 19.01.2006 at 18:09:11

Sehe ich etwas anders.

Über den Sinn und Unsinn der DbD-Kampagne kann man streiten. Mir fehlen die negativen Seiten an Deutschland, die Armut, die Ungerechtigkeiten, usw. Auch das gehört zu Deutschland und ich will nicht ein Deutschland sein, welches nicht voll und ganz zu sich steht.

Aber, warum diese nette Lyrik von Herrn van Matt hohe Wellen schlagen wird, liegt doch wohl er an dem, sagen wir mal exotischen, Verständnis von Meinungsfreiheit, die er an den Tag legt.

Und Blogger lassen sich natürlich nicht so gerne beleidigen, das ist aber auch nicht verwunderlich. Wer würde sich sowas gefallen lassen?

Sascha - 19.01.2006 at 21:35:37

Na, prinzipiell ist die DbD-Kampagne sicherlich keine schlechte Idee - ein bisschen Optimismus täte wohl allen gut. Das Image Deutschlands bei den Deutschen ist - erziehungsbedingt - nicht mit dem Selbstverständnis von Franzosen, Briten oder gar Amerikanern zu vergleichen; das ist gut - und das ist schlecht.
Mir gefällt die Kampagne an sich, also die Werbespots, die Inserate etc. nur bedingt, was aber nicht so sehr am Inhalt, als an der Präsentation liegt. Auf jeden Fall ist sie besser, als die Kampagne der deutschen Phonoindustrie…
Was jetzt den Herrn von Matt angeht, der sicherlich auch ein Recht auf Meinungsäußerung hat:
Was berechtigt ihn eigentlich seine Meinung nicht nur ab- sondern vielmehr auszusondern? Genau, nämlich das er eine hat…
Vielleicht ist ein x-beliebiger Blogger nicht der Chef einer der größeren deutschen Werbeagenturen (das sind sowieso alles nur Apple-Nutzer!), er hat aber das gleiche Recht seine Meinung zu vertreten. Die ist vielleicht unqualifiziert oder wenig objektiv… da muß sich aber Herr von Matt an die eigenen Nase fassen.
Und bevor ich jetzt hier anfange über Designer und Medienschaffende und deren fundierte Meinungen vom Leder zu ziehen, folge ich im weitesten Sinne einem Spruch von Dieter Nuhr, und sag tschö…

Euer Sascha

johnny - 20.01.2006 at 10:44:30

Ich fühle mich keineswegs beleidigt, das wäre ja Quatsch. Wenn allerdings einer der einflussreichsten Männer des Landes das Grundrecht der Meinungsfreiheit in Frage stellt, verstehe ich im Gegensatz zu dir sehr gut, warum darüber geschrieben wird.

Martin Pyka - 20.01.2006 at 12:00:23

ich finde, wenn man sich die ganze email durchliest, so wie sie bei jenz scholz gepostet wurde, hört man da einfach nur frustration über die ganze miesmacherei raus. der kommentar zur meinungsfreiheit ist unpassend aber eigentlich doch auch nur reine polemik. ich finde, was man in der blogosphäre (aber auch im bundestag, talk runden, persönlichen gesprächen etc.) immer wieder erlebt ist, dass die leute viel zu wenig versuchen zu verstehen, was die andere seite zu so einem statement veranlasst haben könnte. muss man denn von vornherein annehmen, dass herr von matt schlichtweg eine BÖSE gestalt ist!? über vieles, was ich gestern in den blogs gelesen habe, konnte ich einfach nur den kopf schütteln. da möchte ich fast sagen: NEIN, ich gehöre nicht zur Blogosphäre, das bin ich nicht!

und damit wir uns nicht missverstehen, johnny, ich habe den trackback zu deinem posting abgesendet, weil es mich einfach nur überraschte, dass du es für nötig gehalten hast, das thema aufzugreifen und ich mal etwas gegen den allgemeinen hohn über die email posten wollte. ich stimme dir allerdings zu, dass die menschen hinter dieser kampagne wirklich an die idee glauben.

@maik: naja, letztendlich ärgere ich mich ein wenig über mich selbst, dass ich die reaktionen in der blogosphäre zu dieser email überhaupt zur kenntnis nehme. die gefahr, die ich nur bei dieser ganzen sache sehe, ist, dass hier ein feindbild entsteht, dass eine massive verzerrung der realität ist. ich glaube, viele leute, die viel arbeit in eine sache stecken und dann bitter enttäuscht werden, würden sich noch zu viel polemischeren äusserungen hinreissen lassen. früher fand ich immer, dass die presse jeden kleinen furz auf die waagschale legt und alles unnötig aufbauscht. heute ist es wohl der strom der masse, der zur skandalisierung die presse gar nicht mehr braucht.

Phobeus - 20.01.2006 at 20:57:01

Ich finde die Kampagne auch eher mäßig und betrachte das ganze eher als eine Art nationale Esoterik für Aussteiger. Glaubt den wirklich jemand, dass man durch Werbung die Probleme in diesem Land in den Griff bekommt? Sorry, aber Werbung ist auch nur eine andere Form des Quatschens und genau das ist fehl am Platz. Ich fühle mich durch die Kampagne nicht im geringsten angesprochen, weder fühle ich mich auch nur zu 1% mit der Blogos… was? verbunden…
Allerdings ist das genau der Grund, warum “ich nicht Deutschland” bin… ich versuche nicht zwischen der Schattierung “schwarz und weiß” zu springen und würde mir lieber eine ANTI-GEZ-Kampagne wünschen, eine ANTI-Paragraph-Kampagne, eine ANTI-Staatshilfegelderverschwendungs-Kampagne… ich meine, da solle mal wer sagen, dass man mit einer Menge ANTI nicht auch etwas bewegen könnte. Aber anstatt sich gegenseitig auf der Schulter zu klopfen, müssen erstmal zahlreiche Leute irren Ars… hoch kriegen. Soviel Polemik von mir am Freitag, nachdem ich mir mit Marketing das Hirn weggepustet habe und nun allem Werbe- oder Führungsstrukturen feindlich gegenüberstehe ;-)

Gandalfus - 20.01.2006 at 22:08:04

“ANTI-GEZ-Kampagne”

“Stimmt” auf die öffentl. rechtlichen Sender kann man gut verzichten es gibt ja die Privat Sender die uns gut, objektiv und auf hohem Niveau informieren.
Aber du hast schon Recht solche Perlen des Investigativen Journalismus wie z.B Akte 06 oder Planetopia sind ja völlig ausreichend.

Martin Pyka - 21.01.2006 at 01:02:18

also die öffentlich rechtlichen möchte ich nicht missen, aber worauf ich völlig verzichten kann, das ist eine GEZ-Gebühr für das Internet-Angebot der Sender. Denn nur, weil ich einen Internet-Anschluss habe, heisst das noch lange nicht, dass ich auch das Angebot von ARD und ZDF mitbezahlen muss, schliesslich nutze ich das ja gar nicht. also da hört es bei mir völlig auf.

Phobeus - 21.01.2006 at 10:31:40

Wollte das ganze nicht zu einer GEZ-Thread umwandeln oder die öffentlich rechtlichen in Frage stellen. Bin allerdings auf Grund eines betrügerischen Rundfunkgebührenbeauftragten eine ziemlich beachtliche Summe an Geld los geworden ohne jemals etwas unterschrieben zu haben, diesen Menschen gesehen zu haben. Obwohl ich keinen Fernsehr habe bin ich vorm Verwaltungsgericht gescheitert und mußte einen höheren dreistelligen Betrag für einen nicht existierenden Fernsehr leisten. Jeder der mit irgend einem anderen Menschen (sei es die hilflose Freundin, die rechtsunbeholfene Oma oder ein WG-Bewohner, der einen haßt) zusammenwohnt kann dieses Schicksal erheilen. Das die GEZ mit Sonderrechten ausgestattet ist, die gewievt zu Betrug führen können, scheint allerdings niemanden zu interessieren, obwohl es eine gängige Praxis ist. Ich für meinen Teil habe durch die Aktion den Glauben an einen Rechtsstaat verloren und fühle mich bei einer Aktion wie “Du bist Deutschland” regelrecht verarscht. Ich denke Menschen mit ähnlichen Erfahrungen werden dies genauso sehen… wir brauchen keine Esoterik, sondern eine Staatsgrundlage die den Leuten wirklich Sicherheit und Vertrauen gibt.

Als nebentätiger Gewerbetreibender soll ich ab 2007 nach Gedanken der GEZ sogar zweimal Gebühren abdrücken. Als Gewerbetreibender und Privatperson. Der Witz an der Sache, seid die UmstV nur noch mit WINDOWS-Rechnern übertragen werden kann, wird man jedem unterstellen ein solches Gerät zu haben. In dem Moment werde ich umgehend das Gewerbe einstellen… ich habe kein Fernsehen, ich habe kein Radio und ich will auch nicht die Webseiten der öffentlich Rechtlichen im Webbesuchen. Die ganze Sache ist für mich eine Art Mafia, die staatlich gedeckt wird. DAS ist Deutschland…

Sabine - 24.01.2006 at 19:36:56

Hier auch noch was lustiges dazu. Du bist Rektalmusik:
http://www.rektalmusik.de/tagebuch.php?sn_show_news=17

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