Studentenleben
26.01.2006

Seit über drei Jahren studiere ich nun schon hier in Münster und habe seitdem einen Account, um mich auf den Linux-Rechnern an der Uni einloggen zu können. Seit diesen drei Jahren bin ich fast täglich an der Uni und logge mich ebenso oft auf diesen Rechnern ein. Genauso, wie letzten Freitag, als ich eben nur schnell meine Emails checken wollte. Ich sitze also am Rechner, gebe meinen Benutzernamen ein, das Feld für das Passwort erscheint, ich setze meine Finger zum Tippen an und stelle fest … das Passwort … mir fällt es nicht ein!

Mir fällt es einfach nicht mehr ein. Eine Zahlen-Buchstaben-Kombination war es, ein paar der verwendeten Zeichen sind mir präsent, aber in welcher Reihenfolge standen die noch gleich? Das muss wohl eine innere Blockade sein, denke ich. Ich nehme meine Hände von der Tastatur, atme kurz durch, setze sie wieder zum Tippen an, in der Hoffnung, die Macht der Routine lässt die Hände von alleine die Zeichenkombination tippen, aber es passiert nichts. Es ist einfach weg.

Nach mehreren unbeholfenen Fehlversuchen, mein Passwort auf gut Glück, so nach Gefühl einzutippen, nach dem vergeblichen Versuch, mich an den phonetischen Klang zu erinnern, der beim Buchstabieren entsteht, nach der Meldung, dass mein Account nun für die nächsten 10 Minuten erstmal gesperrt ist, halte ich kurz inne. Wie heisse ich? Wo wohne ich? Wie lautet die PIN meiner EC-Karte? Ok, mir fällt zum Glück noch alles ein. So schlimm kann es also um mich nicht stehen.

Nach weiteren Fehlversuchen reicht es mir. Es ist definitiv weg! Ich gehe also rüber zum Support, erkläre den Jungs, dass ich wirklich nicht zu diesen DAUs gehöre, die einfach so ihr Passwort vergessen und erkläre weiter, dass ich einfach so mein Passwort vergessen habe … *grmpf* … . Kein Problem, der Kollege meint, dass sei ihm auch schonmal passiert. Er startet eine Konsole, ruft meinen Account auf und zeigt mir mein Passwort. Ja, natürlich! Das ist es! Ich erkenne es sofort wieder. Klar, ach Mensch, ist doch ganz einfach. Jetzt hab ich’s. Ich bedanke mich beim Support, laufe über den Gang, letzte Tür links, und tippe meinen Benutzernamen ein.

Das Feld für das Passwort erscheint, ich setze meine Finger an … und es kommt schon wieder nichts. Wo ist es hin? Hallo? Ich habe es doch grade eben noch gesehen!? Ich bin fassungslos. Ich habe vor 10 Sekunden mein Passwort gesehen, es sofort wiedererkannt und mich von dieser Tatsache derart ablenken lassen, dass ich es mir einfach nicht weiter gemerkt habe.

Ich bin daraufhin NICHT ein zweites Mal zum Support gegangen (“Tschuldigung, ich war ja grade hier und habe nach meinem Passwort gefragt. Ähm … ich habe es schon wieder vergessen, dürfte ich es nochmal sehen?”). Nachdem ich das Wochenende verstreichen liess, fiel es mir in einer ruhigen Minute wieder ein.


Kommentare

Sascha - 26.01.2006 at 23:58:34

Das nennt man nicht Demenz, sondern LOCHFRASS!! Mensch, und Du bist doch Informatikstudent ;)

Sebastian - 26.01.2006 at 23:58:47

Hmmm … das ist mir noch nicht passiert. Jedenfalls nicht bei meinen Passwörter. Schon komisch. Ich hatte das aber mal bei meiner EC-Pin … da merke ich mir wirklich immer nur den Tiprythmus oder den verlauf über das Tastenfeld, was schlecht ist wenn der Nummernblock einfach mal andersherum gedreht ist.
Was mich aber etwas wundert ist, das bei euch in der UNI die Passwörter wiederhergestellt werden können. Normalerweise wird doch (sollte) nur ein Hash generiert werden mit dem dann abgeglichen wird - macht bei neugierigen Admins und Notorischen Überalldasselbepasswortbenutzern ja auch Sinn.

stev - 27.01.2006 at 04:13:20

witzig, habe auch schon meine siebte ec-karte, aber passwörter am pc vergesse ich nie.

Martin Pyka - 27.01.2006 at 08:59:52

@sascha: ich schieb das einfach mal darauf, dass mein gehirn selbständig anfing platz zu schaffen für den ganzen datenbankstoff. das ist ja dann heute hoffentlich vorbei.

@Sebastian: ja, das finde ich auch sehr seltsam. die jungs im support haben auch kein problem damit, einem das passwort laut vorzulesen. könnte mir schon vorstellen, dass das den ein oder anderen in verlegenheit bringen könnte ;)

Sascha - 27.01.2006 at 09:45:39

Bezüglich des Platzmachens kann ich nur Dreamcatcher empfehlen, da wird es sehr schön gezeigt, wie das im Hirn wirklich von statten geht ;)

Das mit den Passwörtern an der Mathe ist in der Tat seltsam. Die werden j aoffenbar einfach in einer Datenbank abgespeichert… ich hoffe ja mal, daß wenigstens das verschlüsselt ist…

dig!_c - 27.01.2006 at 12:33:31

hehe Dreamcatcher genau :-)

Ne also bei Passwörtern habe ich sowas eigentlich nicht, zur SIcherheit habe ich nen Passwortsafe auf meinem Palm.
Aber mir passiert es ab und zu das ich wirklich nicht mehr weiß was ich gerade machen wollte. Da scheint Gott bei mir nen Pointer schlecht eingebaut zu haben ^^ oder ich sag mal Butterfly Effect(Film)

Gandalfus - 27.01.2006 at 14:41:13

Also zum Thema Gedächnis ist wohl Memento der beste Film.

Martin Pyka - 27.01.2006 at 21:28:49

ich glaube, memento und dreamcatcher sollte ich mir mal ansehen. butterfly effekt kenn ich bereits. kein schlechter film.

Phobeus - 30.01.2006 at 11:19:00

*roftl* … bei Memento musste ich auch die ganze Zeit daran denken, dass der Hauptdarsteller mich verdammt an jemanden erinnerte… komme aber nicht drauf ;)
PIN-Nummern, Name von jahrelangen Freunden und sogar schon bei den Behörde seinen Namen… keine Sorge, dass ist nicht krankhaft, dass sind ganz normale Ausfallerscheinungen, die man als über 21-jähriger hat. Zugegeben es ist eine harte Zeit… bis man nicht mal mehr merkt, dass man etwas vergessen hat. Also bleibt hart und haltet durch Jungs!

dig!_c - 01.02.2006 at 11:07:29

Der einzige Vorteil von Alzheimer: Man lernt jeden Tag neue Leute kennen ^^

-> E S P A C I O S .de <- » Blog Archive » - 24.02.2006 at 14:28:59

[...] Scheint ein bekanntes Phänomen zu sein, aber dass einem sein Gedächtnis derart im Stich lässt, bereitet schon etwas Angst. So gerade, als ich eben kurz bei meiner Ma durchklingeln wollte und ein “…bitte rufen sie die Auskunft an” hörte. Ich rufe diese Nummer häufig an und habe sie entsprechend nirgendwo aufgeschrieben und da ich kein Handy habe sah ich mich in der etwas skurrilen Situation, die Nummer meiner Ma im Telefonbuch nachschauen zu müssen. Als ich sie dann las, kam sie mir nichtmal bekannt vor. Wenn man das weiterdenkt, ist es nicht schwer sich unheimlichsten Situationen auszumalen, die plötzlich im Bereich des unmittelbar Möglichen liegen. Was bedeutete dieses Schild da am Straßenrand nochmal? Ich weiss, dass du mein Mitbewohner bist, aber wie heisst du doch gleich? tbc Wenn man zuviel vorm Rechner sitzt, denkt man gleich an ein Backup; auch das sollte mir zu denken geben. Hilft wohl nur hoffen… oder Knoblauchdragees! [...]

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