Unistoff
27.01.2006

Zum 10jährigen Jubiläum des Informatik-Instituts der Uni Münster fand heute eine offizielle Feier statt. Eingeladen waren natürlich auch Gastredner und unter ihnen eine Person, die es in der Informatik und in der Gesellschaft zu besonderer Grösse gebracht hat. 1923 in Berlin geboren, arbeitete er unter anderem im Computer Development Laboratory der General Electric Corporation, entwickelte dort das erste Computer-Banksystem der Welt, arbeitete später im Massachusetts Institute of Technology (MIT) als Professor für Computer Science. Dort entwickelte er unter anderem ein Programm, das ihn in seiner späteren Folge zu einem beachteten Gesellschafts- und Wissenschaftskritiker werden liess. Das Programm heisst Eliza und heute Abend war kein geringerer als Joseph Weizenbaum bei uns im Mathegebäude.

[image:172:c]Dieses verdammte Eliza entfuhr es ihm während seines Vortrags, als er in einem Nebensatz bemerkte, dass heute Eliza 40jähriges Jubiläum hat. Der erste Prototyp eines Chatterbots, der Psychologen derart faszinierte, dass sie ernsthaft an eine automatisierte Therapie von Patienten mit Hilfe dieses Programmes glaubten. Weizenbaum erzählte zunächst über die Anfänge der KI, an denen er mit Marvin Minskey und John McCarthy ganz wesentlich mitgewirkt hatte. Über die Schwierigkeit Geldmittel zu beschaffen, nachdem das Pentagon wegen der ausbleibenden Erfolge den Hahn zugedreht hatte. Er bemerkte, dass sich die Vorstellungen von KI in den letzten Jahrzehnten mächtig verändert haben und leitete damit zur Bedeutung von KI für die Gesellschaft über.

Während bisher der Mensch das Maß aller Dinge war, sind dies heute mehr und mehr die Roboter. Viele Dinge, die wir dem Rechner früher nicht zugetraut haben, bewerkstelligt er heute besser als wir. In einer seiner Publikationen fragt er darum: “Sind Computer die besseren Menschen?” Sie müssen nicht schlafen, treten keiner Gewerkschaft bei, verlangen keinen Lohn!

Interessanterweise wendete sich Weizenbaum auch dem Thema Sprachverarbeitung als zentrales KI-Thema zu. Er stellte dabei die Frage, was eigentlich das Elementare ist, das uns Menschen von Robotern unterscheidet und äusserte dabei die Gewissheit, dass es auf jedenfall schonmal die Tatsache ist, dass wir menschen biologische Bedürfnisse haben (Essen, Schlafen, Gesellschaft, Kindererziehung), die Roboter nicht haben und sich nicht alle diese biologischen Bedürfnisse im Roboter simulieren lassen, weil es Dinge gibt, so wörtlich, die wir wissen, aber nicht aussprechen können, und zwar in keiner Sprache, also auch nicht in Programmiersprachen.

Zum Schluss mahnte er davor, die Naturwissenschaften als die einzigen Wissenschaften anzusehen, mit denen sich die gesamte Welt erklären lässt. Er bezeichnete es als eine Art Falle und brachte eine originelle Anekdote dazu. Wissenschaftler sind wie Cowboys in einem Saloon, die nur ihr Pokerspiel kennen. Es kommt ein fremder Mann in die Bar und will dem einen Spieler das Dame-Spiel mit den Steinen und dem Brett. Die Cowboys hören geduldig zu, doch nach der Erklärung des Dame-Spiels fragen sie verwundert: Wie? Das war es schon? Und wo sind jetzt die Karten?

Herr Weizenbaum hat eine sehr ausschweifende Art, seine Gedanken zu formulieren und viele seiner (Kritik-)Punkte erschienen mir vor allen Dingen sehr stark geprägt zu sein von seinen Erfahrungen mit Eliza, doch bekanntlich tut man gut daran, älteren Menschen zuzuhören, um aus ihren Erfahrungen lernen zu können. Und hier noch eine seiner Anekdoten. Als eine seiner Töchter sieben Jahre alt war, fragte sie ihn mal: “Wie spät ist es? Und bitte, ich möchte nicht wissen, wie die Uhr funktioniert!” Lautes Gelächter im Saal.


Kommentare

stev - 27.01.2006 at 21:40:10

Verpasst. Warum erfährt man so etwas immer erst hinterher? :)

Martin Pyka - 27.01.2006 at 23:36:13

hmmm…gestern hab ich nicht mehr dran gedacht, es zu posten. gab sogar kaffee und kuchen umsonst! :D

digi_c - 28.01.2006 at 17:18:02

Wow das muss sicherlich interessant sein einen der “Großen” mal zu sehen. Da war ja in der letzten c’t ein ganzer Artikel zu Weizenbaum und Eliza drin.

Silvia - 20.01.2007 at 21:21:48

..an alle Joseph Weizenbaum Fans!!

Der Dokumentarfilm WEIZENBAUM. REBEL AT WORK, GER/USA/A, 2006 wird in Berlin auf der transmediale.07 gezeigt.
Screenings:
Sonntag, 4.2.2007, 12:00 Uhr, Akademie der Künste, Salon 2, Hanseatenweg10, 10557 Berlin
Montag, 5.2.2007, 22:00 Uhr, Babylon-Mitte, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Zur Filmwebsite http://www.ilmarefilm.org

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