Netzkultur
28.01.2006

Hier an der Mathe gab es für mich vor ein paar Tagen noch eine Berührung mit den grossen Persönlichkeiten der Informatik. Professor Clausing, der im Institut für Informatik arbeitet, las vor ein paar Monaten in einer Biographie über Alan Turing folgende Zeilen:


Es war ebenfalls enttäuschend, daß es, als On Computable Numbers [Anm.: von Turing] im Januar 1937 endlich im Druck erschien, so wenig Reaktionen gab. Church rezensierte die Arbeit für das Journal of Symbolic Logic und brachte damit die Bezeichnung “Turing-Maschine” in eine veröffentlichte Form. Aber nur zwei Personen baten um Separata: Richard Braithwaite [...] und Heinrich Scholz [Anm.: Uni Münster], der nahezu einzige in Deutschland verbliebene Repräsentant der Logik.

[image:173:c]Das Paper “On Computable Numbers, With An Application To The Entscheidungsproblem” [sic] war eingebettet in einer Off-Print-Ausgabe von Alan Turing mit dem Titel “Computing Machinery And Intelligence”. Wie man dem Text entnehmen kann, gab es offensichtlich nur zwei Originaldrucke des wahrscheinlich ersten Aufsatzes überhaupt zum Thema KI, der mit den berühmt gewordenen Zeilen anfängt:

I propose to consider the question, ‘Can machines thing?’ This should begin with definitions of the meaning of the terms ‘machine and ‘think’…

[image:174:c]Alan Turing erklärt in diesem Dokument unter anderem zum ersten Mal überhaupt eine Aufgabenstellung, die später als Turing-Test bekannt wurde und setzte sich wahrscheinlich zum ersten Mal überhaupt in einer öffentlichen Publikationen mit Themen der “Künstlichen Intelligenz” auseinander. Diese Originalausgabe, die Herrn Scholz vor über 50 Jahren zugeschickt wurde, galt lange Zeit als verschollen bzw. verloren. Professor Clausing erkundigte sich jedoch nach dem Nachlass von Herrn Scholz, der in einer alten Rumpelkammer ausgelagert war und tatsächlich, darin fand man, im November 2005, eben dieses Expemplar. Es trägt sogar oben links auf der ersten Seite die Handschrift von Turing, der Herrn Scholz beste Grüsse ausrichtete und sich für dieses “dreckig gewordene Exemplar” entschuldigte. Es sei sein letztes.

Vor zwei Wochen habe ich dieses Exemplar in meinen Händen halten können, und auch wenn es letztendlich nur sehr altes Papier ist, der Gedanke daran, dass Alan Turing selbst dieses Dokument in den Händen hielt, sogar etwas reinschrieb, hatte schon etwas erhabenes. Auf der 10jährigen Jubiläumsfeier wurde es gestern offiziell ausgestellt. Von dieser Ausstellung sind die beiden Fotos. Wenn man zwei mal drauf klickt, kann man in der höchsten Auflösung sogar den Text lesen.


Kommentare

digi_c - 29.01.2006 at 14:35:53

Wow wenn ich so auf Typografie versteift wäre wie du würde ich mir garnicht mehr die Hände waschen ;-)

Ne im Erst kann ich irgendwie schon verstehen…

Sebastian - 30.01.2006 at 01:54:09

Machst einen ja wirklich neidisch bei all den Berühmtheiten. In Oldenburg, also fast um die ecke hier, war schon mal Noam Chomsky. Aber von anderen weiß ich eigentlich nicht.
Vielleicht sollte man mal A.S.Tanenbaum mal überreden schnell mal über die Grenze nach DE zu kommen und von sich hören zu lassen. Der hat sicher auch interessantes zu erzählen.

Sascha - 30.01.2006 at 16:33:06

Wir wollen die COUCH, ja die Couch wollen wir…
Die Couch, die Couch, die Couch vom Ackermann!

P.S.: Nur, daß Ihr mich hier nicht für verrückt haltet, die Couch von Ackermann, der mit der Ackermann-Funktion, steht bei uns im Institut in der Abstellkammer, und Martin wollte die mal fotografieren und das dann posten.

Martin Pyka - 30.01.2006 at 18:31:45

och Mensch Sascha, sowas verrät man nicht vorher! Ja, die Couch vom Ackermann kommt auch noch die Tage. Wenn der Prof nicht da ist, werde ich mal den Hausmeister fragen, ob er die alte Kammer mal aufschliessen kann.

Hast Du nicht Lust den Ackermann zu miemen, während ich Dich auf der Couch fotografiere? :D

Sascha - 30.01.2006 at 18:53:04

Hmmm… also noch werden das ja nicht allzu viele gelesen haben… also weg mit meinem Comment!

Martin Pyka - 30.01.2006 at 18:55:14

nee, ist ja nicht schlimm. sind ja hier keine sensationen, die ich ans tageslicht förder ;)

Anonymous - 31.01.2006 at 17:03:11

sensationen werden gemacht…. sie sind nicht… ;)

Martin Pyka » Blog Archive » Die neue ja!-Milch - 31.01.2006 at 19:29:31

[...] Gestern schrieb ich noch, dass ich hier über keine Sensationen berichte und heute liegt sie doch tatsächlich auf dem Tisch, genauer gesagt, auf dem Küchentisch. Die Sensation! Ich hoffe, ich habe jetzt nicht falsch in Erinnerung, dass die Billig-Marke ja! seit Ewigkeiten sehr sparsam mit grafischen Objekte auf ihrer Verpackung umgeht und wenn überhaupt nur Vektorgrafik abbildet. Dies scheint nun anders zu sein. Auf der neuen ja!-Milch ist nun ein Glas Milch zu sehen, so richtig ganz normal abfotografiert und in Szene gesetzt. Im Hintergrund Kamilleblüten, wobei die Blütensamen blau gefärbt sind. Warum auch immer. Schick sieht’s aus! Dennoch, irgendwie ein Traditionsbruch, den ich etwas schade finde.Die neue JA!-MilchSoviel zum Thema “Sensationen sind nicht, sie werden gemacht!” [...]

dig!_c - 01.02.2006 at 11:06:22

Wie jetzt Couch? Wie jetzt Ackermann?

Clausing - 09.03.2006 at 20:51:57

“Wenn der Prof nicht da ist, werde ich mal den Hausmeister fragen, ob er die alte Kammer mal aufschliessen kann.”
- Fragen Sie doch den Prof selber. Ich sitze nämlich im 8. Stock und schließe Ihnen die “alte Kammer” gerne mal auf.

Schöne Grüße

“der Prof” A. Clausing

Martin - 12.03.2006 at 19:55:57

oha, scheinbar muss mich google mal wieder weit oben listen. das Sofa habe ich bereits fotografieren koennen. Wie ich feststellte, steht es noch in dem gleichen Buero, in dem Herr Ackermann frueher gearbeitet hat. so erzaehlte man es mir jedenfalls.

schoene gruesse aus dem sonnigen madrid :)

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