Als ich vor ein paar Monaten noch motiviert war, meine Serie “Blogs in Zukunft” fortzuführen, machte ich mir darüber Gedanken, zu was alles die Blogkultur führen kann. Unter anderem malte ich mir das Szenario aus, dass irgendwann auch Staatsoberhäupter einen eigenen Blog betreiben werden, mit Kommentarfunktion und täglich neuen Beiträgen. Geht das überhaupt? Überschwemmt nicht die Stimme des Volkes die Kommentare und setzt sich damit der Präsident nicht wüsten Beschimpfungen und verbalen Tiefschlägen aus?
Wie auch immer, die Zukunft, über die ich letztes Jahr mal lieber hätte bloggen sollen, ist nun eingetreten. Chiles neu gewählte und eine dem Volk nahestehende Präsidentin, Michelle Bachelet, betreibt ihren eigenen Blog. Der letzte aktuelle Eintrag stammt vom 11.01.06 und grossen Andrang in den Kommentaren gibt es bislang auch nicht. Bisher schrieb sie über die Themen, mit denen sich ihre Regierung beschäftigen möchte. Open Source ist dabei unter anderem auch ein Thema.
Kann es sich eigentlich ein Präsident oder eine Präsidentin oder eine Kanzlerin erlauben einen persönlichen Blog zu führen? Oder im Stil des Shopbloggers über das Essen in der Kantine oder den Piloten im Privatjet bloggen? Wohl eher nicht. Aber vielleicht ist ja der Name “Blog” für derartige Regierungshomepages ja ein Anlass, direkt und nicht erst über den Umweg von Medienvertretern, mit dem Volk zu kommunizieren. Im guten, wie im schlechten Sinne.
