Design
22.03.2007

Auf der CeBIT hatte ich kurz Gelegenheit, mir das neue Microsoft Word 2007 anzuschauen. das in letzter Zeit vor allem wegen der neuen GUI verstärkt durch die Medien ging (hier ein kleiner Test). Die neue Bedienoberfläche zeichnet sich unter anderem dadurch aus, daß sie dem Benutzer zu jedem Zeitpunkt genau die Elemente anzeigt, die er grade braucht. Nette Sache, auf jedenfall. Mich interessierte aber viel mehr, ob sich bei der Verwaltung von großen Dokumenten, in denen man mit Formatvorlagen arbeiten muß, etwas verändert hat.

Und da fällt der Blick schon nach wenigen Mausklicks sehr ernüchternd aus. Die Art, wie man das Fenster zur Konfiguration der Absatzvorlagen aufruft ist neu, schließlich hat ja das neue Microsoft Word eine neue GUI bekommen, aber das Fenster an sich ist das gleiche geblieben. Formatvorlagen werden wie eh und je durch eine Kombination von sich hinter Buttons versteckenden Popup-Menüs konfiguriert. Die automatische Nummerierung ist nach wie vor absolut unintuitiv einstellbar. Absatz- und Zeichenvorlagen sind nur schwer voneinander zu unterscheiden. Alles wie immer also.

Ebenso ist mir absolut schleierhaft, warum Microsoft nicht endlich das Erstellen von Seitenvorlagen erlaubt, sondern immer noch alles über manuelle Umbrüche und Vor-Ort-Formatierung eingerichtet werden muß. Auch hier gilt: dank der neuen GUI können Seiteneinstellungen schnell und direkt verändert werden. Konzeptionell hat sich aber nichts verändert.

Mein Eindruck vom neuen Word: durch die neue GUI werden die Nutzer stärker denn je dazu verleitet, Absätze und Wörter über die Buttons direkt zu formatieren. Für Anschreiben, Plakate, kurze Texte mag dies absolut sinnvoll sein. Für Hausarbeiten, Diplomarbeiten, Bücher und Dokumente mit aufwendigerem Layout werden die dafür notwendigen Funktionen entweder immer noch nach einem veralteten und undurchsichtigen Konzept zurückgehalten oder gar nicht erst angeboten. In dieser Hinsicht ist OpenOffice ein ganz guter Spagat gelungen, die Anforderungen für Büroanwender und professionelle Schreiber zu vereinen. Leider ist OpenOffice immer noch voller Bugs. Beim neuen Microsoft Word wurden die alten Klamotten einfach nur in neue Schränke und Schubladen verpackt.

Stammuser werden das zu schätzen wissen und Word ist sicherlich alles andere als ein schlechtes Textverarbeitungsprogramm. Dennoch täte Word eine echte Generalüberholung mal wirklich gut.

An die Profiler von Microsoft und anderen Unternehmen: sagt Kritik an einem Softwareprodukt als unabhängiger Student etwas über die Persönlichkeit des Blogschreibers aus? Ich denke schon, aber falls diese Aussage nicht deutlich wird: mich interessieren vor allen Dingen sachliche Diskussionen und als Heavyuser von diesen Programmen bin ich an einem Austausch bzw. an einer Zusammenarbeit zur Verbesserung der Produkte immer interessiert. Egal ob OpenOffice oder Microsoft Word.


Kommentare

Stefan - 22.03.2007 at 18:24:03

Traurig, dass viele auch bei größeren Projekten auf Word setzen, das hat sich in vielen Köpfen einfach verankert.

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