Ich habe meinem Feed-Reader ein paar weitere Blogs aus der Linguistik- und fMRT-Szene hinzugefügt, und einer von denen ist der Blog Talking Brains von Greg Hickok und David Poeppel. Im neusten Eintrag spricht Greg Hickok, der sich unter anderem mit semantischer Demenz beschäftigt, über die grundsätzliche Frage, wie eigentlich ein Konzept bzw. Bedeutung neuronal repräsentiert wird. fMRT-Studien, die in dieser Hinsicht natürlich nur eine sehr grobe und unzureichende Einsicht in die neuronale Aktivität des Gehirn bieten, legen dabei zwei Theorien nahe. Die eine Theorie besagt, daß die Bereiche, die zur Verarbeitung von Informationen aktiviert werden, auch die Repräsentation für das konzeptionelle Wissen bilden. So schreibt Hickok:
[The author] summarizes an impressive range of findings from neuroimaging that seems to show that the same sensory-motor systems involved in processing a given bit of information is involved in representing that bit of information in conceptual memory.
Die Gegenthese dazu lautet, daß diese Gehirnareale nur beim Abruf der Bedeutung mit assoziiert werden, aber das eigentliche konzeptionelle Wissen über ein bestimmtes Wort in anderen Arealen organisiert wird. Hickok veranschaulicht das am Beispiel des Wortes “Kuss”:
If you believe a concept is nothing more than its sensory-motor/functional properties (for concepts that fit into those dimensions) then you can point to imaging data showing activation of the lip area of motor cortex when you read the word “kiss” and many other findings of this sort. If you believe a concept is something more complicated, you can point to complex patterns of associations/dissociations in the neuropsychological realm, and you could write off the imaging data as a peripheral association of the core of the concept: lip movements are associated with the concept KISS but don’t define it, or even contribute substantively to it.
Wenn man versucht, seine eigene These zu diesem Thema aufzustellen, so kommt man schnell an den Punkt, an dem man merkt, daß die sprachlichen Fähigkeiten des Menschen eine Beschäftigung mit diesem Thema mitunter erschweren. Daß wir uns auf die Suche nach einer neuronalen Repräsentation von Konzepten machen können, liegt daran, daß wir auf Grund unserer sprachlichen Fähigkeiten das Konzept “Konzept” denken können. Weltwissen und Konzepte benötigen aber nicht unbedingt die Bindung an Symbole, also an sprachliche Einheiten.
Wenn ich in den nächsten Tagen Zeit habe, werde ich in den aktuellen Studien zu diesem Thema mal schauen, in welcher Form den Probanden im MRT Konzepte präsentiert wurden: waren es Wörter, Bilder, Töne, alles zusammen!?
